Schulterschluss zwischen Lateinamerika, der Karibik und Europa

Schulterschluss zwischen Lateinamerika, der Karibik und Europa

Erste Ergebnisse des IFAIR LACalytics-Programms in Hamburg vorgestellt

Um die Beziehungen zwischen Lateinamerika und Europa zu vertiefen, wurde im Jahr 2015 IFAIRs LACalytics-Programm gegründet, das sich mit eingehenden Analysen zu aktuellen Themen der lateinamerikanischen Politik, Wirtschaft, Umwelt und Zivilgesellschaft sowie den EU-LAC-Beziehungen im Allgemeinen beschäftigt (LAC ist die Abkürzung für Lateinamerika und die Karibik). Das Besondere ist, dass dabei vor allem die Jugend in Lateinamerika im Fokus steht. Das kommt auch nicht von ungefähr, denn die Organisation übernahm mit IFAIR (Young Initiative on Foreign Affairs and International Relations e.V.) eine Institution, die vor allem junge Menschen für Außenpolitik begeistern möchte. Die Schirmherrschaft für das Programm wurde vom Botschafter Dieter Lamlé, Regionalbeauftragter für Lateinamerika und die Karibik im Auswärtigen Amt, übernommen. Seitdem hat das LACalytics-Programm, unterstützt durch die Hamburger EU-LACStiftung, versucht, ein Umfeld zu schaffen, das nachhaltige Partnerschaften zwischen beiden Kontinenten unterstützt und fördert. Aufgrund der jungen Perspektive und der Expertise interregionaler Autoren-Teams bietet das LACalytics-Programm Beiträge, die über die Informationen anderer Experten in den Bereichen Wissenschaft, Medien und Diplomatie hinausgehen. Das Programm lieferte vierundzwanzig digitale Analysen zu vier Makro-Themen, die von bi-regionalen Tandems junger Denker aus Europa und Lateinamerika verfasst wurden. Die besten Beiträge wurden kürzlich in Form einer gedruckten Publikation veröffentlicht und wichtigen Akteuren der EU-LAC Partnerschaft während der Abschlusskonferenz in Hamburg vom 22. bis 25. Oktober vorgestellt.

Die Poicy Papers

In der sehr erfolgreichen ersten Phase des Projekts wurde das Interesse von hunderten Bewerbern aus 33 Ländern geweckt, wobei es in der Folge einen regen Austausch junger Menschen aus Europa und Lateinamerika gab. Basierend auf den unterschiedlichen Hintergründen der Autoren wurde in den Beiträgen über ein breites Themenspektrum diskutiert. Dazu gehörten beispielsweise die intergewerkschaftliche Risikoteilung in der Eurozone und ihr Beispiel für Lateinamerika oder das Thema Integration. Spannend war auch das Vorbild einer schottischen Insel für die Dominikanische Republik, die Windenergie als neue Energiequelle nutzt. Außerdem ging es um einen Vergleich der Konfliktlösungsmechanismen in Kolumbien und Irland. Auf der Seite www.ifair.eu sind ab sofort die zwölf besten Papiere in mehreren Sprachen wie etwa Deutsch, Englisch, Spanisch oder Portugiesisch zu sehen.

Die Konferenz

Die zweite Phase des LACalytics-Programms wurde durch die Zusammenführung der erfolgreichsten Teilnehmer auf der Abschlusskonferenz vom 22. bis 25. Oktober in Hamburg eingeläutet. Dabei fiel die Wahl auf die größte Hafenstadt Deutschlands aufgrund ihrer langjährigen Geschichte des Handels, des Austausches und der substanziellen Beziehungen mit Lateinamerika. Zudem haben die EULAC- Stiftung und das beteiligte GIGA-Institut (German Institute of Global and Area Studies) hier ihren Sitz.

Während der viertägigen Konferenz an der Bucerius Law School, einer der renommiertesten Universitäten Deutschlands, wurden intensive Diskussionen geführt. Die Konferenz wurde mit einem informativen Programmtag eröffnet, bei dem die einzelnen Papiere der zwölf Teilnehmergruppen vorgestellt wurden. Der Abend wurde durch ein Essen der EU-LAC-Stiftung, vertreten durch deren Vorsitzende Paola Amadei und Anna Barrera sowie Henrik Lesaar, Leiter des Referats Europapolitik im Hamburger Senat, abgeschlossen. Am zweiten Konferenztag versammelten sich die Teilnehmer in kleinen Gruppen, um die interessantesten Ecken in Hamburg zu entdecken. Am Nachmittag diskutierte die gesamte Gruppe dann über die Leitfrage des diesjährigen Programms: „EU-LAC-Kooperation im 21. Jahrhundert: Wie können die Bemühungen in einer globalisierten Welt verbunden werden?“

Am dritten Konferenztag gab es eine Besichtigung bei der Wochenzeitung DIE ZEIT, beim GIGA-Institut und bei der Greenpeace-Zentrale. Dabei diskutierten die Teilnehmer über Fragen wie die Rolle der Presse für die Demokratie und die Förderung der internationalen Verständigung. Weitere Themen waren die regionale Integration in Lateinamerika sowie die Erfahrungen aus der Energiewende Deutschlands und inwieweit diese auf die LAC-Länder anwendbar seien. Am vierten und letzten Konferenztag wurde die GFA Consulting Group besucht, um einen Einblick in die Entwicklungszusammenarbeit zwischen der EU und Lateinamerika zu bekommen. Am Abend stand dann mit der Abschlussveranstaltung im Hamburger Rathaus der Höhepunkt an. Nach einer Begrüßung durch den Hamburger Senat folgte die Eröffnungsrede durch IFAIRs Vorstandsmitglied Theresa Lieb und eine Begrüßungsrede von Wiltrud Kern vom Auswärtigen Amt. Dabei wurden die Ergebnisse der Konferenz hochkarätigen Experten wie etwa von der Internationalen Handelskammer sowie einigen anwesenden Diplomaten vorgestellt.

Die Ergebnisse

Die ersten zwölf Monate hat das Programm LACalytics nun hinter sich. Dabei war die Unterstützung der EU-LAC-Stiftung von entscheidender Bedeutung, da diese den bi-regionalen Autoren-Tandems durch die Publikationen und die Abschlusskonferenz in Hamburg öffentliche Präsenz ermöglichte. Dabei ist vor allem die Veröffentlichung der Artikel in den drei Sprachen Englisch, Spanisch und Portugiesisch hervorzuheben, wodurch vor allem in Lateinamerika eine größere Leserschaft erreicht werden konnte. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Programms wird nun über eine Neuauflage auf der anderen Seite des Atlantik nachgedacht. Es wird spannend sein, zu sehen, ob das Programm möglicherweise bald auch auf die oberen diplomatischen Ebenen Einfluss nehmen kann.

Dieser Artikel erschien als Teil der Kooperation mit dem Diplomatischen Magazin in der Januar-Ausgabe 2017.

IFAIR