LACalytics: Neue Impulse für eine alte Partnerschaft

LACalytics: Neue Impulse für eine alte Partnerschaft

Europa und Lateinamerika sind natürliche Partner, die durch starke historische, kulturelle sowie wirtschaftliche Beziehungen eng miteinander verbunden sind und über Jahrzehnte eine wichtige Quelle der gegenseitigen Inspiration waren. Diese seit Langem existierenden Beziehungen, die 62 Staaten, über eine Milliarde Menschen und mehr als ein Viertel des weltweiten BIP umfassen, haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte beachtlich entwickelt. Die heute signifikanten interregionalen wirtschaftlichen Verbindungen – mit der EU als wichtigstem Entwicklungspartner der Region Lateinamerika und Karibik (LAK), als deren zweitgrößter Handelspartner und erster Investor – spiegeln die zunehmende Bedeutung und das wachsende Potenzial dieser langjährigen Partnerschaft wider.

Daher stellt sich die Frage, inwieweit und mit welchen Mitteln die weitere Konsolidierung bisher unterstützt wurde und zukünftig gefördert werden könnte, um die Partnerschaft beider Regionen zu stärken. In Anbetracht des wirtschaftlichen Wachstums, das Lateinamerika in den letzten Jahren erlebt hat, überrascht es nicht, dass der wirtschaftliche Charakter der Beziehungen zu einer zentralen Rolle des Handels und der Investitionen geführt hat. Die EU unterzeichnete Handelsabkommen mit Zentralamerika im Jahr 2013 sowie mit der Karibik im Jahr 2008 und ist mit Mexiko, Chile, Peru und Kolumbien durch Wirtschaftspartnerschaftsabkommen verbunden. Allerdings sind die Verhandlungen über ein umfassendes Handelsabkommen mit dem gemeinsamen Markt Südamerikas, Mercosur, als Teil der Gespräche über ein bi-regionales Assoziierungsabkommen ins Stocken geraten.

In den letzten Jahren wurde die politische Bedeutung der Partnerschaft wahrgenommen und strategisch anerkannt. Seit 2013 finden regionale Gipfeltreffen zwischen der EU und der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) alle zwei Jahre statt, während die EU-LAK-Stiftung die bi-regionale Partnerschaft stärken soll. Im Jahr 2015 führten die ersten Regierungskonsultationen zwischen den beiden wirtschaftlich bedeutendsten Ländern der Regionen, Deutschland und Brasilien, zu der gemeinsamen Erklärung des Wunsches, die Verhandlungen über ein ausgewogenes, umfassendes und ehrgeiziges Assoziierungsabkommen zwischen dem Mercosur und der EU neu zu beleben und somit die strategische Partnerschaft zu fördern.

Um den bestehenden Dialog zu stärken und das Bewusstsein für seine immer größere Bedeutung von der politischen Ebene auf die Zivilgesellschaft – und vor allem auf junge Menschen – auszuweiten, hat IFAIR e. V. im Jahr 2016 seine neue Impact Group LACalytics ins Leben gerufen. LACalytics ist ein Projekt, das die interregionale Zusammenarbeit von Studenten und Young Professionals aus Europa, Lateinamerika und der Karibik auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen erleichtern soll. Unter der Schirmherrschaft des Auswärtigen Amtes arbeiten derzeit 46 Studenten und junge Experten aus Europa und Lateinamerika in bi-regionalen Teams zusammen um detaillierte Analysen zu aktuellen Themen in der lateinamerikanischen Politik, der Wirtschaft und des sozialen Lebens sowie zu den EU-LAK Beziehungen zu entwickeln. Durch einzigartige junge Perspektiven auf diese Themen reichen die Analysen von der Rolle Europas und Lateinamerikas bei der Bekämpfung des Klimawandels bis hin zum Einfluss von sozialen Bewegungen in beiden Regionen und den Auswirkungen von TTIP auf Lateinamerikas Jugend.

Daher ist LACalytics nicht nur eine einmalige Gelegenheit, junge Menschen aus beiden Regionen zu verbinden, sondern auch eine zielgerichtete Diskussion über die EU-LAK-Beziehungen und damit die internationale Verständigung zu fördern sowie dauerhafte Brücken zu bauen. Die Veröffentlichungen der Artikel in Zusammenarbeit mit internationalen Partnerorganisationen – später in einem gedruckten Policy-Papier gesammelt – geben jungen regionalen Experten zudem die Möglichkeit, positiven Einfluss auf internationale Beziehungen zu nehmen und sich für die Sensibilisierung zu LAK-spezifischen Themen einzusetzen. Abschließend werden die Empfehlungen unserer Autoren den wichtigsten EU-LAK-Akteuren während einer Abschlusskonferenz im Oktober 2016 präsentiert.

Zusammenfassend ist LACalytics IFAIRs jüngste Initiative mit dem Ziel, interregionales Verständnis sowie den Einfluss junger Menschen auf die Umsetzung von Außenpolitik zu erhöhen.

Weitere Informationen: Impact Group LA Catalytics

Der Artikel ist Bestandteil von IFAIR’s Kooperation mit dem Diplomatischen Magazin und erschien dort zuerst in der Ausgabe 07/2016.

© Titelbild: Mercosur | Hamner_Fotos (flickr.com)
Johannes Klein

Johannes Klein leitet den Bereich „Global Affairs“, Programmpartner der Impact Group LACalytics und als Vorstand Chefredakteur für IFAIRs Think Tank. Johannes studiert EU International Relations and Diplomacy Studies am Europakolleg in Brügge/Belgien. Zuvor studierte er im Master Europawissenschaften und Internationale Beziehungen an der Humboldt-Universität, der Freien Universität und der Technischen Universität in Berlin. Einen Bachelor an der Rijksuniversiteit Groningen in International Relations and International Organization mit den Spezialisierungen Entwicklungszusammenarbeit und internationales Recht schloss er im Sommer 2014 ab. Diese inhaltlichen Schwerpunkte ergänzte er während eines Auslandssemesters an der Universidade de Sao Paulo um einen regionalen Fokus auf Lateinamerika. Neben einem einjährigen entwicklungspolitischen Auslandsaufenthalt im Rahmen des „weltwärts“ Programms in Ecuador, absolvierte er Praktika bei verschiedenen international tätigen NGOs und Think Tanks, im Auswärtigen Amt, bei der Europäischen Union sowie im Bundestag. Johannes spricht Deutsch, Englisch, Spanisch, Portugiesisch und Niederländisch.